Burnout Syndrom: die Ausweichdiagnose bei anderen Krankheiten

5. Mai, 2012 - Abgelegt unter Neuigkeiten 

Obwohl die Menschen vor einigen Jahrzehnten körperlich noch deutlich anstrengendere Tätigkeiten ausgeführt haben und sich nicht mit Titel wie Art Director oder Facility Manager schmücken konnten, so konnten sie mit der Belastung und dem Stress ihrer Arbeit und ihres Alltags doch scheinbar deutlich besser umgehen als die heutige Generation. Immer mehr Arbeitnehmer und auch Selbstständige fühlen sich ausgebrannt, leer, erschöpft und geben sich dann allzu schnell die Selbstdiagnose "Burnout". Das Burnout Syndrom wird mittlerweile zu oft als Ausweichdiagnose bei anderen Krankheiten benutzt.

erschoepftheit-wirklich-anzeichen-fuer-burnoutDamit ist Burnout gerade in den letzten Jahren zu einem fast schon fragwürdigen Trend geworden. Wer vermeintlich an dem Syndrom leidet, wird als Arbeitstier angesehen. Als Workaholic. Die meisten wissen aber gar nicht wirklich, was Burnout bedeutet. Schließlich fühlt sich jeder einmal schlecht oder ist müde und antriebslos. Zudem gibt es nach wie vor keine eindeutige Diagnose für den Begriff Burnout Syndrom. Und demzufolge auch keine wirkliche Definition.

Wer glaubt, an Burnout zu leiden, hat in Wirklichkeit oftmals eher mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen. Wie beispielsweise einer Depression. Diese Diagnose klingt allerdings nur halb so gut und wird von den Betroffenen deshalb meist vermieden. Burnout ist demnach oft nur eine Ausweichdiagnose, welche die wirkliche Ursache der Abgeschlagenheit nicht näher beschreibt und nicht auf das Problem des Patienten eingeht. Schlimmer sogar noch: Der Begriff verschleiert oftmals Depressionen, die sogar lebensbedrohliche Zustände annehmen können und verharmlost so die Situation.

Was oftmals auch überspielt wird, ist die Tatsache, dass die Leere und Erschöpfung der Betroffenen nur in den wenigsten Fällen tatsächlich mit dem Beruf zusammenhängt. Viel häufiger sind Krankheiten oder Geschehnisse aus dem privaten Umfeld die Auslöser. Das erklärt auch, warum häufig Personen betroffen sind, die nicht unbedingt in leistungsstarken Positionen tätig sind. Es sind weniger Manager, die an Burnout leiden, als vielmehr Arbeitslose oder auch Studenten. Dies wird mit Besorgnis beobachtet.

Depressionen gab es auch vor 30 oder 40 Jahren schon, allerdings wurde damals nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen und die Betroffenen haben sich nur selten professionelle Hilfe geholt. Sei es nun der Neurologe in Köln oder der Psychiater in München. Das hat sich im 21. Jahrhundert bereits geändert, weshalb psychische Erkrankungen deutlich früher erkannt und auch behandelt werden können. Allerdings natürlich nur, wenn die Betroffenen das Burnout Syndrom nicht als eine Ausweichdiagnose bei anderen Krankheiten benutzen, sondern sich eingestehen, dass andere Faktoren die Ursache sind. Das Leiden der heutigen Arbeitswelt hat oftmals ganz andere Auslöser als von vielen angenommen.

Bild: Jens Lumm / photocase.com

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