Pflanzenheilkunde (Phytotherapie): Heilmethode beleuchtet

6. Mai, 2011 - Abgelegt unter Pflanzenheilkunde 

pflanzenheilkundeDie Pflanzenheilkunde ist die Lehre von der biogenen Wirksamkeit pflanzlicher Rohstoffe, der Begriff umfasst entsprechend eine Vielzahl von Heilmethoden, die sich ausschließlich auf die Wirkkraft von Arznei- oder Heilpflanzen stützen. Die Phytotherapie – so der Fachterminus – verwendet für ihre Arzneizubereitungen ganze Pflanzen oder Teile davon, synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe kommen nicht zum Einsatz. Die Pharmazie bezeichnet Pflanzen oder Pflanzenteile, die sich für die Herstellung medizinisch wirksamer Aufgüsse, Tinkturen, Pulver o.ä. eignen, als „Drogen“. Weit über 10000 Arten sind in der Pflanzenheilkunde derzeit bekannt, die Arzneipflanzen stellen innerhalb der Nutz- und Kulturpflanzen damit die größte Gruppe.

Das Wissen um die medizinische Bedeutung der Pflanzenheilkunde ist so alt wie die Menschheit. Schon unsere frühesten Vorfahren nutzten Kräuter, Blüten und Blätter zur Linderung diverser Leiden. Chinesische, ägyptische und griechische Ärzte und Heiler beschrieben bereits lange vor Christus die Heilkraft sogenannter Phytopharmaka, die in den verschiedensten Darreichungsformen bei einer Viehzahl von Gebrechen eingesetzt wurden. Mit den zugehörigen Inhaltsstoffen beschäftigt sich heute die Wissenschaft, die moderne Pflanzenheilkunde ist ein Teilbereich der pharmazeutischen Biologie.

Die Forschung konzentriert sich dabei auf die allgemeine Heilpflanzenkunde, in der das Wissen um die Heilkraft aller Pflanzen weltweit gebündelt und verifiziert wird, sowie mit pharmazeutischen, genetischen, toxikologischen und galenischen Fragen, die die Wirksamkeit und die möglichen Einsatzbereiche eines pflanzlichen Arzneimittels betreffen. Das spielt vor allem im Zusammenhang mit dem rechtlichen Status der Pflanzenheilkunde eine Rolle. Denn damit eine Pflanze oder ein Pflanzenauszug als Fertigarzneimittel zugelassen wird, müssen sowohl die Qualität des verwendeten Materials als auch dessen Wirksamkeit eindeutig und reproduzierbar nachgewiesen sein. Darüber hinaus muss natürlich fest stehen, dass die betreffende Pflanze oder der Pflanzenextrakt keine giftigen Komponenten enthält und in der vorgesehenen Dosierung unbedenklich anzuwenden ist.

Das ist in der Pflanzenheilkunde beileibe keine Banalität, denn viele der uns bekannten Heilpflanzen enthalten nicht nur gesundheitsdienliche Substanzen, sondern sind je nach Dosierung, Darreichungsform und Stoffwechsel des Patienten hochgiftig. Bestes Beispiel dafür ist der Fingerhut (Digitalis), der in seinen Zellen herzwirksame Substanzen – die sogenannten Herzglykoside - synthetisiert. Digitaliszubereitungen werden in der Pflanzenheilkunde seit dem späten 18. Jahrhundert als bewährtes Heilmittel bei Menschen eingesetzt, die unter einer Herzinsuffizienz oder Herzschwäche leiden. In diesem Fall ist die Dosierung schon im Krankheitsfall problematisch, denn die wirksamen Inhaltsstoffe haben eine sehr geringe Wirkbreite, sodass es schnell zu einer Über- bzw. Unterdosierung kommt. Beim Gesunden wirken Digitalis-haltige Arzneimittel generell fatal, eine Überdosierung endet nicht selten tödlich, wie zahlreiche mysteriöse Sterbefälle im Lauf der Geschichte gezeigt haben. Um eine maximale Arzneimittelsicherheit zu gewährleisten, untersteht die Pflanzenheilkunde, soweit es um die Zulassung von Fertigarzneimitteln geht, deshalb dem Arzneimittelrecht, das national bzw. international festschreibt, welche Drogen in welcher Konzentration und Darreichungsform in der Phytotherapie eingesetzt werden dürfen.

Übrigens: Dem Wesen nach gehört die Pflanzenheilkunde nicht zu den alternativen Heilmittellehren. Im Gegensatz zur Homöopathie oder antroposophischen Medizin geht sie nämlich strikt von einem Dosis-abhängigen Wirkprinzip aus, das sich mithilfe einer sogenannten Dosis-Wirkungs-Kurve auch pharmakologisch nachweisen lässt.

Video zur modernen Phytotherapie (Pflanzenheilkunde):

Foto: Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen

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