Pflege im Alter: zu Hause oder im Altenheim?

28. September, 2012 - Abgelegt unter Gesundheit 

pflegebeduerftige-aeltere-dameÜber 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind zurzeit pflegebedürftig, einige infolge eines Unfalls, andere wegen Krankheit oder aufgrund ihres Alters. Etwa zwei Drittel der Betroffenen werden zu Hause von Angehörigen und ambulanten Pflegediensten betreut, ein Drittel ist in Pflegeheimen untergebracht. In insgesamt 12.000 Einrichtungen stehen Pflegeplätze mit den unterschiedlichsten Ausstattungen zur Verfügung, je nach Pflegebedarf und Budget können Pflegebedürftige sich für eine Wohngruppe, ein Apartment oder Einzelzimmer entscheiden. Dabei kann die Betreuung von leichter Unterstützung bei der Haushaltsführung bis zur Vollzeitpflege reichen.

Inhaltsübersicht:

Pflege zu Hause oder im Pflegeheim – Pro und Contra
Vorteile des Pflegeheims
Vorteile der Pflege zu Hause
Der Kostenfaktor
Tipps für die Pflege zu Hause
Tipps für die Pflege im Heim

Pflege zu Hause oder im Pflegeheim – Pro und Contra

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen wünscht sich, ihren Lebensabend zu Hause im Kreise der Familie zu verbringen. Nicht immer lässt sich dieser Wunsch jedoch erfüllen, denn dafür müssen die Angehörigen zu Pflegeleistungen bereit und in der Lage sein. Aber der Umzug in eine Pflegeeinrichtung bietet auch einige beachtenswerte Vorteile und ist manchmal für alle die glücklichere Lösung. Bei Curando ist zu diesem Thema ebenfalls mehr zu erfahren.

Vorteile des Pflegeheims

Die Pflege im Heim bedeutet eine erhebliche Entlastung der Angehörigen, die zu Hause weitreichende Einschnitte in ihr Berufs- und Privatleben hinnehmen müssten. Neben einem normalen Berufsalltag ist die Pflegebelastung kaum zu bewältigen, außerdem sind wenige Menschen in der Lage, die psychische und körperliche Anstrengung auf Dauer auszuhalten. Oft ist nächtliche Alarmbereitschaft angezeigt, sodass kein gesunder Nachtschlaf mehr bleibt. Dazu schränkt sich das soziale Leben ein, da der Pflegende ständig zu Hause bleiben muss und kaum noch Freizeit hat. Die dauernde Belastung führt häufig zu Spannungen und verschlechtert die persönliche Beziehung. Im Pflegeheim dagegen können die Verwandten Besuche machen, wenn sie Zeit und Lust dazu haben, und sich in diesen Momenten ganz auf den persönlichen Kontakt konzentrieren.
Dabei können sich die Angehörigen darauf verlassen, dass rund um die Uhr für die Sicherheit des Pflegebedürftigen gesorgt ist. Im eigenen Haus ist eine ständige Betreuung kaum möglich. Und gerade für Menschen, die in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, bietet jede Wohnung zahlreiche Gefahrenquellen. Bei geistig verwirrten Personen, die vielleicht den Herd anlassen oder mit Elektrogeräten hantieren, besteht erst recht ein immenses Selbstgefährdungsrisiko. Im Heim herrscht dauernde Rufbereitschaft, und die nötige medizinische Versorgung ist jederzeit gewährleistet. Dazu bieten die Einrichtungen Unterstützung bei zahlreichen organisatorischen Aufgaben an, von Behördengängen über Friseurbesuche bis zu Pflegegeldanträgen.
Viele ältere Menschen genießen es, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein und an den vielfältigen im Heim angebotenen Aktivitäten teilzunehmen. Einige Senioren möchten heute sogar ganz bewusst ins Heim, um ihren Kindern nicht zur Last zu fallen.

Vorteile der Pflege zu Hause

Für den Pflegebedürftigen besteht der größte Vorteil der Pflege zu Hause darin, dass er seine gewohnte Umgebung nicht verlassen muss. Eine Umpflanzung wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger, denn der gewohnte Kontakt zu den Angehörigen und Nachbarn wird im Alter zum wichtigen Lebensquell. Im eigenen Haus oder bei den Kindern kann ein alter Mensch noch das Gefühl haben, dazu zu gehören und nicht abgeschoben zu werden. Einige Pflegende genießen auch das Gefühl, mit der Pflege etwas Sinnvolles zu tun und ihre Pflichten gegenüber den Eltern zu erfüllen. Sich jederzeit austauschen zu können und das Leben weiterhin zu teilen, kann die Lebensqualität aller steigern.
Nicht zuletzt lässt sich die häusliche Pflege meistens erheblich kostengünstiger organisieren als die Rundum-Versorgung im Heim.

Der Kostenfaktor

AltenheimBei der Entscheidung, ob im Alter zu Hause oder in einem Altenheim gepflegt werden soll, spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle. Die Pflegeversicherung springt zwar ein, wenn ein Versicherter pflegebedürftig wird, die genauen Leistungen hängen aber von der jeweiligen Pflegestufe ab. Sie sind sowohl in der privaten als auch gesetzlichen Krankenversicherung identisch, bei den Beiträgen gibt es aber enorme Unterschiede. Nutzen Sie im Idealfall auch die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten, wie die Online Beratung der AWO: www.awo-pflegeberatung-online.de.

Tipps für die Pflege zu Hause

Tipp 1: Gehen Sie zur Pflegeberatung
Bevor Sie die Pflege eines Angehörigen übernehmen, sollten Sie einen Pflegestützpunkt oder eine Pflegekasse in Ihrer Nähe zu einem umfassenden Gespräch aufsuchen. Sie müssen Pflegegeld beantragen, einen Pflegedienst in der Gegend finden und eventuell einen Kurs besuchen, um sich mit der praktischen Seite einiger Pflegevorgänge vertraut zu machen. Bei der Pflegeberatung bekommen Sie alle nötigen Informationen.

Tipp 2: Entlasten Sie sich durch Pflegedienste
Beauftragen Sie einen ambulanten Pflegedienst, Ihnen im Rahmen des Budgets so viel Arbeit wie möglich abzunehmen. Auch wenn ein Pfleger nur zwei Tage in der Woche das morgendliche Waschen und Füttern übernimmt, können Sie wenigstens zwei Mal ausschlafen oder Sport treiben.

Tipp 3: Machen Sie regelmäßig Urlaub
Je gestresster Sie werden, desto weniger Nutzen bringt Ihr häuslicher Einsatz Ihrem Angehörigen. Gerade als Pflegender müssen Sie regelmäßig Urlaub machen. Wenn Sie keine Verwandten finden, die für diesen Zeitraum einspringen, können Sie den Pflegebedürftigen im Heim zur Kurzzeitpflege unterbringen.

Tipp 4: Halten Sie am normalen Leben fest
Versuchen Sie insgesamt, Ihr soziales Leben so wenig wie möglich zu verändern und den Pflegebedürftigen einzubinden. Überlegen Sie, bei welchen Unternehmungen Ihr Angehöriger noch teilnehmen kann. Viele Ausflüge und Kulturveranstaltungen lassen sich auch im Rollstuhl genießen. Wenn Sie nicht ausgehen können, laden Sie Leute ein. Enge Freunde stören sich nicht daran, wenn ein alter Mensch mit am Tisch sitzt und gefüttert werden muss. Je selbstverständlicher Sie mit der Situation umgehen, desto besser können andere reagieren und Hilfe anbieten.

Tipps für die Pflege im Heim

Wenn Sie sich entschieden haben, Ihr Familienmitglied im Heim pflegen zu lassen, sollten Sie sich viel Zeit nehmen, um genau die passende Einrichtung zu finden. Vielen älteren Menschen ist es wichtig, in der Nähe ihrer Familie zu bleiben. Andere legen größeren Wert auf eine komfortable Wohnatmosphäre oder besonders umfangreiche Freizeitangebote.

Tipp 1: Suchen Sie ein gut organisiertes Heim
Versuchen Sie zu erkennen, ob die Einrichtung gut geführt wird und mit qualifizierten Pflegekräften arbeitet. Informieren Sie sich über Freizeitangebote, Essen, medizinische Versorgung und die Möglichkeit, jederzeit Besuche zu empfangen.

Tipp 2: Achten Sie auf eine angenehme Atmosphäre
Vergewissern Sie sich, dass die Pflegebedürftigen respektvoll und freundlich behandelt werden. Beobachten Sie, welchen Eindruck die Bewohner machen und wie die Pfleger mit ihnen umgehen.

Tipp 3: Gestalten Sie das Zimmer schön
Wenn Sie den richtigen Platz gefunden haben, versorgen Sie Ihr Familienmitglied mit lieb gewonnenen Kleinigkeiten und Erinnerungsstücken, die ihm das Leben im Heim so angenehm machen wie zu Hause. Hängen Sie Fotos von Kindern und Enkelkindern auf, bringen Sie die Lieblingstopfblumen mit oder besorgen Sie Hörbucher und Bücher nach seinem Geschmack.

Tipp 4: Nutzen Sie Besuche sinnvoll
Statt immer gehetzt auf einen Sprung vorbeizuschauen, nehmen Sie sich lieber ab und zu die Zeit für einen ausgedehnten Besuch. Am besten planen Sie als wöchentliches Highlight einen gemeinsamen Ausflug, bei dem Sie beide einmal den Alltag hinter sich lassen und zusammen ein paar wertvolle Stunden verbringen.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
Foto: wikipedia / Andreas Bohnenstengel

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